Jugendfeuerwehr bereitet sich auf Bildungs- und Städtepartnerschaftsreise nach Oświęcim vor

Zehn Jugendliche setzen sich bei einem Stadtspaziergang mit dem jüdischen Leben in Kerpen und der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander

Zehn Jugendliche der Jugendfeuerwehr der Kolpingstadt Kerpen haben am Samstag, 12. September 2026, einen gemeinsamen Vorbereitungstag für ihre bevorstehende fünftägige Bildungs- und Städtepartnerschaftsreise nach Oświęcim (Polen) verbracht. Die Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Jugendfeuerwehrabteilungen der verschiedenen Stadtgebiete und werden vom 17. bis 21. September im Rahmen der Städtepartnerschaft Kerpens nach Oświęcim reisen.

Die Kolpingstadt Kerpen unterhält neben der Städtepartnerschaft mit der belgischen Stadt Sankt Vith seit 1997 auch eine langjährige Partnerschaft mit Oświęcim. Diese wird im kommenden Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: 2027 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Kerpen und Oświęcim seit 30 Jahren. Städtepartnerschaft dient der Begegnung junger und auch älterer Menschen, der Vertiefung der deutsch-polnischen Freundschaft sowie der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart.

Im Mittelpunkt des Vorbereitungstages stand ein rund dreistündiger Stadtspaziergang, bei dem sich die Jugendlichen mit dem jüdischen Leben und der Geschichte der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Kerpen auseinandersetzten. Begleitet wurde die Gruppe von der Städtepartnerschaftsbeauftragten der Kolpingstadt Kerpen, Susanne Harke-Schmidt, der Abteilungsleiterin für Kultur, Sport und Tourismus, Frau Brigitte Fischenich, dem Leiter der Feuerwehr Kerpen, Andre Haupts, sowie den Stadtjugendfeuerwehrwarten Ines Hartmann und René Altendorf.

Susanne Harke-Schmidt, die zuvor viele Jahre das Stadtarchiv der Kolpingstadt Kerpen geleitet hat und sich auch im Heimatverein intensiv mit der Geschichte Kerpens beschäftigt, vermittelte den Jugendlichen an verschiedenen Stationen einen Einblick in die Geschichte des jüdischen Lebens in der Kolpingstadt. Mit originalen Bildern aus der Vergangenheit und mit Überlieferungen von Überlebenden und Betroffenen schilderte sie eindrucksvoll, welches Leid für die jüdischen Mitmenschen geherrscht hatte.

Unter anderem besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof Am Falder/ Auf dem Bürrig in Kerpen. Darüber hinaus wurden das Stadtarchiv, die ehemalige Synagoge sowie weitere Häuser und Orte im Bereich Alt-Kerpen aufgesucht, die an das jüdische Leben und die Geschichte der jüdischen Bevölkerung erinnern. Die Bedeutung der Stolpersteine und vor allem die Geschichten dahinter gaben den Jugendlichen einen Einblick, dass das jüdische Leben in Kerpen von Ausgrenzung, Entrechtung und Vernichtung geprägt war. Der Stadtspaziergang führte auch zu den beiden Mahnmalen an der Alten Landstraße und an der Gedenktafel für die im Holocaust ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und endete am Filzengraben vor dem so genannten „Ghettohaus“, von dem am 19.07.1942 die letzten noch in Kerpen, Blatzheim und Buir lebenden jüdischen Menschen – der jüngste 4, der älteste 85 Jahre alt – und dann zusammen mit 1.130 jüdischen Menschen aus der ganzen Region an Köln-Deutz-Tiefbahnhof deportiert wurden. Niemand von ihnen überlebte, die meisten wurden nach 5-tägiger Bahnfahrt, die sie selbst zahlen mussten, in Maly Trostenec bei Minsk ermordet.

„Die Jugendfeuerwehr der Kolpingstadt Kerpen ist seit jeher auch ein guter Spiegel für eine funktionierende Gesellschaft. Neben der Vorbereitung auf den späteren Einsatzdienst geht es ganz wesentlich darum, dass junge Menschen Gemeinschaft erleben, Verantwortung übernehmen und ein respektvolles Miteinander lernen“, betont Feuerwehrleiter Andre Haupts.
Auch Bürgermeister Thomas Jurczyk hebt die Bedeutung der Städtepartnerschaft hervor: „Heute gibt es wieder Kriege und mehr Antisemitismus. Deshalb ist es besonders wichtig, dass junge Menschen den Nationalsozialismus und den Holocaust nicht vergessen. Durch Begegnungen und Gespräche können Freundschaften entstehen, die Brücken für Frieden bauen. Gerade in der heutigen Zeit sind Städtepartnerschaften deshalb besonders wichtig, weil sie Menschen und vor allem Jugendliche zusammenbringen.“
Der Bürgermeister bedankt sich bereits im Vorfeld bei allen Betreuerinnen und Betreuern sowie bei den Jugendlichen, die die Kolpingstadt Kerpen in Oświęcim vertreten werden.